DIE FIGUREN

MUX (Jan Henrik Stahlberg)

"Wenn ich Recht habe, dann können sich alle Roland Kochs, Dieter Bohlens, all die Auslaufmodelle dieser Republik, warm anziehen!"

Mux ist ein junger Mann Anfang dreißig, der gerne große Denker zitiert und sich selbst auch für einen hält: für einen Idealisten, einen revolutionären Aufklärer in schwerer Zeit. Mux sieht die Welt als geschlossenes System, als ein Ganzes, in welche er alle anderen einordnet - zur Not auch mit Waffengewalt. Damit die Welt besser wird. Mux wird immer allein sein in seinem Kampf; aber man darf sich ihn nicht einsam vorstellen, denn er fühlt sich wohl in seiner Haut: Er ist gerecht. An seinem Wesen wird die Welt genesen. Davon ist er jedenfalls überzeugt. Und wäre er uns nicht so unheimlich, würde es uns in seiner Gegenwart nicht so kalt den Rücken herunterlaufen - Mux könnte uns fast sympathisch werden.


GERD (Fritz Roth)

"Gerd kann nichts. Gerd sieht nichts. Gerd hört nichts. Aber das macht er gründlich. Gerd ist treu. Gerd ist brutal. Gerd ist deutsch, aber dank Mux wenigstens nicht mehr langzeitarbeitslos."

Gerd hat im Überlebenskampf schlechte Karten, eigentlich gar keine. Gerd ist der Inbegriff eines Menschen, der es in seinem Leben zu nichts gebracht hat. Deswegen hat er sich auch eine Blockwartmentalität zugelegt, die beim Zuschauer ein Gefühl zwischen Mitleid und Ekel auslöst. Gerd ist eigentlich ein harmloser, herzensguter Mensch. Aber jetzt will er Karriere machen. Von Mux' Ideen versteht er wenig, um nicht zu sagen gar nichts. Gerd ist der Archetyp des Mitläufers: Er wird immer behaupten können, er habe von nichts gewusst. Seine Naivität hätte vielleicht sogar etwas Rührendes - wären da nicht seine Abgestumpftheit, mit der er sämtliche Befehle ausführt, und seine Brutalität, mit der er die Tritte nach unten weiter reicht.


KIRA (Wanda Perdelwitz)

"Es gäbe wohl Tausende von Männern, die jetzt gerne an meiner Stelle sein würden. Aber du sollst wissen, dass ich anders bin. Ich respektiere dich. Dich und deinen Körper. Es wäre jetzt nichts einfacher, als in dich einzudringen..."

Kira ist Serviererin in einem Gasthof, in dem sie eines Tages auf Mux trifft. Er versucht, sie zu überzeugen, dass er der Mann ihres Lebens ist - denn er sieht in ihr eine Ikone des Guten, Reinen und Schönen, seine holde Muse, die Sonne seines Systems: Kira ist für Mux sein Mäuschen; er möchte ihr Ritter sein, zu dem sie aufblicken kann. Doch wer hat sie je gefragt, ob sie überhaupt für jemand anderes eine Sonne sein oder zu einem Ritter aufblicken möchte? Anfangs fühlt sie sich noch geschmeichelt und amüsiert, dann ist sie zunehmend verwirrt - aber das mag Mux umso mehr.